Chronik

Chronik der Abteilung

Jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt

Japanische Weisheit  


Unsere Abteilung wurde bereits 1972 als Judo-Abteilung des TV 1862 Bad Mergentheim gegründet. Von diesem Zeitpunkt bis 1989 trainierten man ausschließlich Judo mit großem Erfolg. Am 18.09.1989 wurde auf Initiative von Rainer Schulz das erste Ju Jitsu-Training durchgeführt und geleitet. Ab diesem Datum wurde Judo und Ju Jitsu parallel trainiert. Allerdings musste das Judo-Training mangels Beteiligung am 31.12.1991 aufgegeben werden. Seit dieser Zeit wird nur noch Ju Jitsu im TV trainiert und das mit großem Erfolg. Waren es am Anfang lediglich knapp 30 Mitglieder so ist die Abteilung auf momentan ca. 250 angewachsen. Zu Anfang trat die Abteilung dem Fachverband World-Ju-Jitsu-Federation bei. 1992 wechselte man dann zum Bund-Deutscher-Ju-Jutsukas, bevor wir Anfang 1995 beim Deutschen Ju Jutsu-Verband, sprich Ju Jutsu Verband Württemberg unsere endgültige sportliche Heimat fanden. Bereits vom 11.05. -13.05.1990 führte die Abteilung ihren ersten Lehrgang in Bad Mergentheim durch. Bis heute richtete die TV Ju Jitsu-Abteilung zahlreiche Kreis-, Landes-, Kinder-, Vereins-, Speziallehrgänge, sowie Trainingslager aus. Hierfür konnten hochrangige und bekannte Referenten, wie u.a. Hiromichi Nagano, Julian Chees, Vlado Schmidt, Jonny Vansimpsen, Franz Strauß, Jürgen Schercher und natürlich viele sehr gute Trainer des JJVW, wie Volkmar Baumbast oder Stefan Stöhr verpflichtet werden. Im Jahr 1999 begann unsere Abteilung mit dem Duo-Wettkampf. Die größten Erfolge erzielten hierbei mit dem Deutschen Meistertitel 2002 Rebecca Menth und Daniel Müller, sowie mit dem Titel bei den Süddeutsche Meisterschaften 2008 Laura Meinikheim und Tim Deißler. Bis zum heutigen Zeitpunkt konnten dank der vielen ehrenamtlichen Trainer und Helfer über 2000 Kinder, Jugendlichen und Erwachsene im Trainingsbetrieb betreut und ausgebildet werden.

 

Geschichte des Ju Jitsu

Entwicklung in der Antike und im Mittelalter


Über die Herkunft und Entwicklung der Vorläufer des Ju Jitsu gibt es verschiedene, widersprüchliche Theorien. Als gesichert gilt, dass Ursprung des Ju Jitsu in Indien zu suchen ist. Bodhiharma, einem indischen Prinzen (um 500 n. Chr.), wird die Gründung des Kung-Fu im Shaolin-Tempel bei Honan (China) zugeschrieben. Von hier soll der Vorläufer des Ju Jitsu nach Japan gekommen sein. Einer Legende nach, die nicht belegt ist, soll der Chinese Chin-Gen-Pin 1650 das Jiu Jitsu nach Owari, Japan gebracht haben und sein Wissen an drei Samurai weitergegeben haben. Eine weitere Legende erzählt von einem kleinen Chinesenjungen namens Li-Tei-Feng. Er soll bei einem starken Sturm beobachtet haben wie die dicksten Bäume entwurzelt wurden und die stärkeren Äste abknickten. Nur ein kleines Bäumchen wurde verschont, weil es elastisch seinen Wipfel bis zur Erde nieder bog, so daß es bei Ende des Sturms unbeschädigt dastand. Hieraus soll das Prinzip "Siegen durch nachgeben" abgeleitet worden sein.
Die Legenden führen also China als Ursprungsland des Ju Jitsu an.
Sicher ist, dass die Japaner, insbesondere die Samurai, das Ju Jitsu, das zu dieser Zeit auch "wakara" genannt wurde, zur Blüte gebracht haben. Für die Samurai gehörte das "wakara" schon ab dem frühen 17. Jahrhundert zu den ersten Pflichten und wurde im sogenannten "Bushido", dem Ehrenkodex, gefestigt. Von der damaligen "normalen" Bevölkerung in Japan, die kaum Rechte besaß und bis zum Jahre 1871 noch nicht einmal einen Namen tragen durften, gingen wenig Impulse aus. Sie entwickelte damals die Kampfkunst Kobudo (Waffentechniken).
In den Jahren 1600 bis 1853 war Japan von der übrigen Welt weitestgehend abgeschlossen. Mit der darauf folgenden Öffnung des Landes setzte unter den Japanern eine gewisse Verachtung der eigenen Kultur ein. Das neu von außen kommende wurde verherrlicht. Dies hatte auch Folgen für das Ju Jitsu, es wurde nach und nach vergessen. Zudem wurde es von den aufkommenden neuen Waffen verdrängt.

Auch in der westlichen Welt wurden Kampftechniken gepflegt, die den asiatischen keinesfalls nachstanden und Elemente aus dem Ju Jitsu und andere fernöstlichen Kampfkünsten enthielten. In einer russischen Chronik aus dem 11. Jahrhundert wird von Ringkämpfen erzählt, bei denen ähnliche Techniken wie im heutigen Ju Jitsu gebräuchlich waren. Später entwickelte sich daraus das Sambo, das heute noch in Russland trainiert wird. Aus Irland (11. Jhd.) wird von einem Glimokampf berichtet. Gleiches entwickelte sich im 14. Jhd. in Island unter dem Namen Glima, eine Form des Kleiderringens. Ähnliches ist auch in der Schweiz unter Schwingen bekannt. In englischen Aufzeichnungen aus dem 14. Jhd. ist von einem Cornwell-Stil die rede, einem Nahkampf ohne Waffen. Erste Lehrbücher über waffenlose Selbstverteidigung finden sich Mitte des 15. Jhd. 1443 erschien Talhoffer´s Fechtbuch, in dem vorwiegend Wurf- und Hebeltechniken abgebildet sind. Albrecht Dürer brachte 1512 eine Fechtbuch heraus, indem viele Kampfgriffe bis heute unverändert geblieben und noch im heutigen Ju Jitsu gebräuchlich sind. Eine recht eindrucksvolle Darstellung ist in einem in Amsterdam herausgegebenem Lehrbuch "Worstel-Konst" enthalten. In der Deutlichkeit und realistischen Wiedergabe sind viele Techniken in unseren Ju Jitsu-Lehrbüchern nicht besser abzubilden.
Nach dieser Blüte der waffenlosen Selbstverteidigung in der Zeit der Landsknechte wurde es still. Wahrscheinlich hat das Aufkommen der Feuerwaffen, ähnlich wie in Japan, den Nahkampf verdrängt und auch das Lehren der Verteidigung ohne Waffen überflüssig erscheinen lassen.

 

   

Entwicklung in der Neuzeit

 
 
Dem deutschen Prof. Dr. Erwin Bälz, welcher in der Zeit von 1876 bis 1902 an der Universität von Tokio unterrichtete, ist es zu verdanken, dass der alten Kunst der waffenlosen Selbstverteidigung wieder mehr Beachtung geschenkt wurde. Er hatte den 70-jährigen Jiu Jitsu-Lehrer Totsuka bei einer Vorführung gesehen und war von dem Gezeigten so angetan, dass er für eine Aufnahme in das Lehrprogramm der Universität sorgte. Einer der eifrigsten Schüler war Prof. Jigoro Kano. Er studierte die unterschiedlichen Systeme der Selbstverteidigung, sammelte deren Techniken und fügte sie zum Jiu Jitsu als Lehrprogramm an den Hochschulen ein. In den Folgejahren entwickelte er es zu einem weltweit verbreiteten Kampfsport, dem Judo. 1882 richtete Kano seine eigene Schule, das Kodokan ein. Es wurden weiterhin von Kano auch wirkungsvolle Selbstverteidigung gepflegt. Sie finden sich als Form in der "Kime-no-kata" und im moderneren "Goshin-Jitsu-no-kata" wieder. Kano starb 1938.
   

 

Entwicklung in Deutschland

 
  Bereits Anfang diesen Jahrhunderts zeigten einige Japaner in London und Berlin Jiu Jitsu als Selbstverteidigung. Katsukuma Higashi trat im Zirkus in Berlin auf und nahm dort Herausforderungskämpfe von jedem Athleten an. Unter anderen besiegte er dort den britischen Boxmeister Fitzsimmons. Erich Rahn sah sich die Auftritte an und war so begeistert, dass er sich unterrichten ließ und mit 22 Jahren (1906) seine eigene Schule, die erste in Deutschland und die heute noch besteht, eröffnete. Damals nannte man Erich Rahn, den Meister der 1000 Jiu Jitsu-Griffen. Er war selbst ein überzeugter Kämpfer. Er trat im Zirkus und im Varieté auf, nahm Herausforderungen bekannter Athleten an und wurde nie besiegt. So machte er das Jiu Jitsu in Deutschland bekannt. 1912 besuchte Professor Jigoro Kano die Schule Erich Rahns. 1920 kam Alfred Rhode und Otto Schmelzeisen mit dem Jiu Jitsu in Berührung und gründeten 1922 neben der Schule Rahns, die ersten Jiu Jitsu-Clubs in Deutschland (Berlin, Frankfurt, Wiesbaden). Die erste Verbandsgründung folgte 1923.
1932 fand die erste internationale Judo-Sommerschule in Frankfurt mit vier japanischen Lehrern statt. In dieser Sommerschule wurde erkennbar, dass das Jiu Jitsu, wie in Deutschland ausgeführt, zwar eine wirkungsvolle Selbstverteidigung, das Judo jedoch für die sportliche Ausübung viel geeigneter ist. Nach dieser Erfahrung wurde nun auch bei vielen deutschen Vereinen Judo als Kampfsport eingeführt und die Regeln entsprechend den japanischen geändert. Bei den Judo-Sommerschulen lernten die Deutschen auch die Graduierungen nach Leistungsstufen kennen, zuvor wurde die Jacke durch Gürteln nach eigener Wahl zusammen gehalten. Die Graduierungen wurden am Schluß der alljährlichen Sommerschulen von den japanischen Meistern vorgenommen. Ein Prüfungsprogramm gab es nicht. Erst 1952 kamen durch die Gründung des Deutschen Dan-Kollegiums die ersten Prüfungsprogramme heraus.
Von 1939 bis 1945 ging zwar der Übungsbetrieb in den Vereinen weiter, aber internationale Begegnungen brachen mit dem Krieg ab.
Nach dem Krieg wurde Judo und Jiu Jitsu durch die alliierten Besatzungsmächte bis 1947 verboten. 1951 fand dann das erste Judo-Sommerlager nach dem Krieg mit mehr als 100 Teilnehmern aus 5 Nationen statt. 1952 besuchte Risei Kano, Präsident des Kodokan mit einer Delegation Deutschland. Der damalige Weltmeister Daigo bestritt im Rahmen einer Freundschaftsbegegnung einen Reihenkampf gegen 10 deutsche Kämpfer. Die technische Überlegenheit des Weltmeisters konnte nicht besser demonstriert werden, als dadurch, dass er für die Reihe einschließlich der Begrüßung 2.33 Minuten für jeden Sieg benötigte.
1953 wurde der Deutsche Judo-Bund (DJB) gegründet in dem auch Jiu Jitsu untergebracht war. Den technischen Aufbau leisteten immer noch die Japaner wie Koizumi, Kawamura, Hirano und Nagaoka. Letzterer zeigt nicht nur Judo und Jiu Jitsu sondern auch Karate.

Doch Selbstverteidigung (SV) wurde zugunsten Judo im Verband immer mehr vernachlässigt. Bis 1955 konnte man durch die Demonstration von Selbstverteidigung immerhin noch bis zum Grüngurt graduiert werden, danach wurde SV nur noch als Nebenfach in der Judo-Prüfung bewertet. D.h. SV trat im BJD zugunsten des Kampfsportes immer mehr in den Hintergrund und wurde insbesondere durch das Streichen als gesondertes Prüfungsfach nicht mehr gefördert. Konsequenz hieraus war, dass die kommerziellen Schulen dieses Vakuum für sich nutzten und sich mehrere Splitterverbände bildeten, die Jiu Jitsukas dem DJB abwarben.
So konnte es nicht weitergehen. Nach langen Auseinandersetzungen beantragte die Landesgruppe Hessen 1966 ein Prüfungsprogramm SV auszuarbeiten. Es wurde eine Kommission gebildet, die 1967 eine "Ausführungsbestimmung für Kyu- und Dan-Prüfungen im Ju Jutsu" einer Arbeitstagung vorschlug. Der Vorschlag fand jedoch nur wenig Zustimmung. Es sollten noch grundlegende Änderungen berücksichtigt werden. Die neue Ausarbeitung wurde 1968 vorgelegt und nach endloser Debatte angenommen. Um die Arbeitsgrundlagen für das Prüfungsprogramm zu vermitteln fand am 29.06.1968 ein Lehrgang in Wiesbaden statt. Hier wurde schnell erkannt, daß die Sache selbst sehr mangelhaft und unbefriedigend war. Insbesondere waren die Prinzipien der einzelnen Budo-Diszipinen zu wenig berücksichtigt. F.J. Gresch und Werner Heim nahmen sich der Sache an. Die Zeit drängte, denn die ersten Prüfungen waren für 1969 geplant. So wurde das neue Prüfungsprogramm, das in den Grundzügen unserem heute entspricht und aus 112 Grundtechniken bestand, am 22.04.69 in Kraft gesetzt. Die erste Dan-Prüfung, die als Durchprüfung vom 5. kyu bis 1. Dan durchgeführt wurde, erfolgte am 28./29. Juni des gleichen Jahres, zu der 30 Teilnehmer antraten, von denen aber nur 5 den 1. Dan erreichten. Ein Novum im Budo-Sport war wohl die Zusammensetzung der Kommission. Um ein Höchstmaß an Neutralität und Ausgewogenheit zu gewährleisten, gehörten der Kommission je ein Prüfer aus Judo, Karate, Aikido und Jiu Jitsu an. Es wird als Gründungstag des Ju Jutsu der 29.06.1969 angesehen.
Die Durchprüfungsmöglichkeit bis zum Dan wurde bis zum März 1970 verlängert. Ein Großteil der Dan-Träger, die ihren Grad in anderen Verbänden erworben hatten, konnte aufgrund der gezeigten Leistungen übernommen werden. Aber nicht alle, die schon von anderen Organisationen graduiert waren, wollten sich überprüfen lassen, weil sie auf dem Standpunkt beharrten, ihre Leistungen bereits bewiesen zu haben. So gründeten diese später eigene Verbände. Aus heutiger Sicht hätte damals etwas mehr Großzügigkeit zu mehr Mitgliedern führen und die Zersplitterung gebremst werden können. 1970 waren bundesweit 1.437 Ju Jutsuka in 66 Vereinen gemeldet. In den Folgejahren wurde vor allem Aufbau- und Breitenarbeit geleistet, wobei das Prüfungs- und Ausbildungsprogramm immer wieder überarbeitet und verbessert wurde und wird.
1987 wurde der Ju Jutsu-Wettkampf eingeführt und erste Deutsche Meisterschaften in Berlin ausgetragen.
Ab 1982 wurde der Ruf nach Selbständigkeit, d.h. Loslösung vom DJB, laut, da es andauernd Auseinandersetzung über Finanzen gab. Doch der DJB wollte die Sektion Ju Jutsu nicht aus ihrem Verband entlassen. Dennoch wurde am 20.10.1990 der Deutsche Ju Jutsu-Verband (DJJV) gegründet. Die DJB-Mitgliederversammlung stimmte am 09.11.1991 für die Beibehaltung der Sektion Ju Jutsu, musste aber dann doch, wegen eines Formfehlers die Entlassung und Aufnahme in den Deutschen Sportbund befürworten. Am 31.12.1992 wurde die Ju Jutsu-Sektion im DJB aufgelöst. Heute gibt es in allen Bundesländern eigenständige anerkannte Landesverbände.